Studierende stellen sich quer

Eine Woche Public-Climate-School an der Philipps-Universität Marburg

Seit Jahrzehnten haben sich verschiedene Arten des Klimaprotestes geformt. Ob es Bewegungen aus den 80er Jahren waren, die in neoliberaler Tagespolitik endeten, NGOs wie Greenpeace, die mit Petitionen und Kampagnen die Mehrheitsgesellschaft erreichen wollen oder die sogenannte „Generation von Morgen“, die sich als Fridays For Future zusammen gefunden hat. Alle verfolgen seit jeher ein Ziel: „Die Menschheit auf zu rütteln, um ihnen verständlich zu machen, dass es mit einem ‚weiter so‘ keine Zukunft für uns oder den Planeten geben wird“, so Louisa Friedrich des Klimabündnis Marburg.

Die Publikationen und Forschungen zur Klimakrise sind enorm, dennoch wird das Wissen großteils nicht gelehrt und in der Öffentlichkeit so dargestellt, dass von einem Klimawandel und nicht von einer Krise gesprochen werden kann. Laut Valentina Haas, Studentin der hiesigen Universität sind die Themenfelder vielfältig. „Sie reichen von den Politikwissenschaften, über die Soziologie, die Rechtswissenschaften, die Geographie bis zur Medizin und darüber hinaus.“ Dennoch ist in keinem der Fachbereiche der Philipps-Universität ein klimapolitisch relevantes Thema im Studium verankert.

Diese Leerstelle haben Marburger Studierende mit der Public-Climate-School vom 25. bis 28. November selbst gefüllt. Im Hörsaalgebäude wird es die ganze Woche und auf den Lahnbergen am Mittwoch ein breites Programm mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Workshops, Exkursionen und Filmvorführungen zu den Themen Klima- und Biodiversitätskrise, Umweltschutz, Klimagerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Gesellschaftstransformation geben. Neben den Veranstaltungen im Audimax und den Seminarräumen wird es auf den Fluren des Hörsaalgebäudes Informations- und Aktionsstände von Gruppen aus Marburg geben, die gelebte Alternativen – vom Kleidertausch über Foodsharing bis hin zu Commons – vorstellen.

Die Public-Climate-School wurde bundesweit von Students4future ausgerufen und soll als Warnung angesehen werden, dass nicht nur in der Wirtschaft und der Politik, sondern auch im Bildungssystem in den nächsten Jahren nachhaltige Lösungen erarbeitet werden müssen. „Die Universitäten sind als höchste Bildungsträger des Landes verantwortlich für die Etablierung von Bildungsinhalten. Sie beeinflussen maßgeblich die Normen und Werte der gesamten Gesellschaft und damit ihre Lebensweise. Dieser Tatsache müssen sich alle Universitäten bewusst werden “, gibt AStA-Vorständin Luisa Bischoff zu bedenken.

Initiiert wurde die Klimastreikwoche von Teilen der Studierendenschaft selbst, doch unterstützt werden sie von über dreißig weiteren Organisationen in Marburg-Biedenkopf, darunter der Weltladen, freieLasten, der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA), scientist4future, oder BI Verkehrswende. „Wir wollen Euch alle – Studierende, Schüler*innen, politische Bildner*innen und Zivilgesellschaft – in einer ‚Public-Climate-School‘ zusammenbringen, um an der Bewältigung einer der großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam zu arbeiten.“, schließt Charlotte von Students4future.

Die Klimastreikwoche wird mit der Auftaktveranstaltung „Climate Slam“ am Sonntag, den 24.11. um 20 Uhr im Q beginnen. Und wird mit dem 4. Globalen Klimastreik ihr Ende finden, bei welchem am Freitag, den 29.11. um 12 Uhr am Marktplatz, am Schulzentrum und am Hauptbahnhof die Forderungen der Hochschul-Klimastreikwoche aus den Hörsälen auf die Straße und in die Mitte der Gesellschaft getragen werden sollen.